GOTT UND DIE WELT

Veröffentlichung am 27. November 2019


Tevje der Milchmann

Klaus Marheinecke
Kath. Kirchengemeinde MARIÄ HIMMELFAHRT
E-Mail: KlausMarheinecke@Gmx.de

Erinnern Sie sich noch an das Musical Anatevka? Die Titelmelodie ging „Wenn ich einmal reich wär..?

Darin beklagt er seine Armut und bittet Gott um „een kleenes Vermegen“ „Arm sein ist keene Schande, aber eine besondere Ehre ist es auch nicht!“ An diese Zeilen dachte ich kürzlich während einer Predigt in unserer Kirche. Es ging tatsächlich um den Wert der Armut an sich. In der Hl. Schrift wird sehr oft von den Vorzügen der Armut gesprochen, weil die Armen keine Sorge um ihr (nicht vorhandenes) Vermögen zu haben brauchen. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass der Herrgott schon für Alles sorgen würde, wenn man nur genügend und fest daran glaubt. Da wiegt mancher bedenklich sein Haupt und denkt wieder an den armen Milchmann Tevje. Jetzt aber komme ich zurück auf den besagten Prediger. Viele Reiche sind hochnäsig und bilden sich etwas ein auf ihren Besitz, den sie oft genug auch nur geerbt haben.

 

Ganz anders ist es mit der Armut, manchmal auch mit der frei gewählten Armut, etwa im Kloster. Das kann gewiss beruhigend sein, weil man ein zufriedenes Leben führt. Ganz schlimm wird es aber, wenn sich daraus eine stolze Überheblichkeit entwickelt. Er rühmt sich seiner Armut: „Was bin ich doch für ein toller Kerl, der mit so wenig auskommt. Nun macht das mal nach, Ihr Geldgierigen!“ Grenzwertig, werden Sie mit Recht denken. Auch ich habe es nicht gleich verstanden, bis der Prediger erklärte: Es kommt auf die Geisteshaltung an, wie ich damit umgehe. Die Armut an sich ist, weiß Gott, kein Verdienst, schon gar nicht Freude an sich. Sie kann sogar quälend und erniedrigend sein. Und wie soll ich damit umgehen können?

Denken wir einfach mal im beginnenden Advent darüber nach, findet

Ihr Klaus Marheinecke

 

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