GOTT UND DIE WELT

Veröffentlichung am 14. August 2019


Die Kraft von Visionen

Pastorin Martina Ulm
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde
E-Mail: Ulm@meiendorf-oldenfelde.de

1959 schenkte die Sowjetunion der UNO eine Skulptur des russischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch. Die Skulptur zeigt einen Mann, der ein Schwert zu einer Pflugschar schmiedet. Den Hintergrund dafür bildet die biblische Friedensvision der Propheten Micha (Micha 4,3) und Jesaja (Jesaja 2,4): Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Zu sehen ist die Skulptur im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York. Und inspiriert weltweit. 1980 wurde sie zum Symbol der ostdeutschen Friedensbewegung. Für die Friedensdekade im November ließ der sächsische Landesjungendpfarrer Harald Bretschneider 100.000 Lesezeichen mit einem Bild der Skulptur und der Aufschrift „Schwerter zu Pflugscharen“ drucken. Schon ein Jahr später wurden anlässlich der zweiten Friedensdekade 200.000 Aufnäher mit diesem Bild hergestellt. Viele friedensbewegte junge Menschen trugen ihn, obwohl sie Repressionen zu befürchten hatten.

 

1983 filmte bei einer geschickt geplanten und dadurch von der Stasi nicht zu verhindernden Schmiede-Aktion auf dem Kirchentag in Wittenberg auch ein westdeutsches Kamerateam. „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde später ebenfalls zum Leitspruch von Teilen der westdeutschen Friedensbewegung. Und prägte den Geist der Montagsdemonstrationen ab September 1989, die schließlich zum Fall der Mauer führten. Die Friedensvision hat sich erfüllt.

Bis heute begehen wir die ökumenische Friedensdekade jedes Jahr im November, ihr Symbol ist dasselbe geblieben. Ich bin überzeugt, dass wir Friedensvisionen für unsere Welt und für unser Zusammenleben brauchen. Genau wie Menschen, die an diese Visionen glauben und für sie einstehen.

Auch unsere Schöpfung ist in Gefahr. Daher heißt das Motto der diesjährigen Dekade: friedensklima. Im Moment sind es vor allem Schülerinnen und Schüler, die mit ihren `Fridays for Future`-Demonstrationen ein deutliches Zeichen setzen und uns alle daran erinnern, dass wir unseren Planeten, unsere Erde schützen und erhalten können, wenn wir nur wollen.

Mich beeindruckt das sehr!

Ihre Pastorin Martina Ulm

 

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