GOTT UND DIE WELT

Veröffentlichung am 04. September 2019


Vorurteil "böse" Schwiegermutter

Pfarrer Hans-Joachim Winkens SAC
Pfarrer der Katholischen Pfarrei
Seliger Johannes Prassek, Rahlstedt
Tel: 677 23 37
e-Mail: hwinkens@web.de

Wer hat sie nicht schon gehört? Die vielen Geschichten von der bösen Schwiegermutter. Dieses alte Klischee! Es geht aber auch anders: ein kleines Beispiel erzählt das alttestamentliche Buch Rut. Dort wird ein gutes Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter beschrieben. Ausgangspunkt ist eine Hungersnot in Bethlehem. Eine Familie zieht in schwerer Lebenslage ins ferne Land Moab. Vater, Mutter und zwei Söhne. Dort nehmen die Söhne sich ausländische Frauen. Zehn Jahre ist der Familie das Glück hold. Dann kommt das große Unheil. Der Vater und die beiden Söhne sterben. Die Schwiegermutter und die beiden Schwiegertöchter bleiben allein zurück.

Schwiegermutter Noomi will nun in ihre Heimat zurück. Orpa, die eine Schwiegertochter verabschiedet sich, weil sie bei ihrem Volk bleiben will. Die Schwiegermutter fordert auch Rut auf, bei ihrem Volk zu bleiben. Doch Rut will sich nicht von der Schwiegermutter trennen. Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis und Rut will künftig den Glauben dieser Familie leben und neues Glück finden. Rut, die Ausländerin, findet in der neuen Heimat mit Boas Glück in der Liebe.

 

Das Buch Rut erzählt eine Geschichte, die viele traurige Momente hat, aber dennoch ein happy end vorweisen kann. Gesellschaftspolitisch muss man als Hintergrund erinnern, dass zur Zeit der Richter es eine starke Tendenz gab, die Heirat mit ausländischen Frauen zu verbieten. Das Buch Rut hat aber dazu eine ganz positive Einstellung und schildert eine wunderbare persönliche Geschichte. Es darf als bewusste Gegenposition gesehen werden.

Vielleicht brauchen wir in der heutigen Zeit, wo auch Völker gegeneinander streiten und internationale Verbindungen nicht immer gelingen, gute Geschichten von Verständnis, Toleranz, Versöhnung und einem guten geschwisterlichen Miteinander. Möge dies auch in Deutschland gelingen und in unserer Kirche. Keiner muss hier ein Fremder sein meint ihr Pfarrer

Pater Hans-Joachim Winkens SAC

 

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