GOTT UND DIE WELT

Veröffentlichung am 19. Dezember 2018


Was weiß der Apostel Paulus von Weihnachten?

Pfarrer Hans-Joachim Winkens SAC
Pfarrer der Katholischen Pfarrei
Seliger Johannes Prassek, Rahlstedt
Tel: 677 23 37
e-Mail: hwinkens@web.de

Was weiß die Bibel von Weihnachten? Was schreibt z.B. der Apostel Paulus in seinen Briefen über die Geburt Jesu? Es fällt auf, gar nicht viel.

Wichtig ist ein Satz, den wir in seinem Galaterbrief finden: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt …“ (Gal 4,4). Es sind wichtige Kernaussagen, die Paulus hier zusammenträgt, aber auch doch irgendwie normal. Jesus, „ geboren von einer Frau“, na klar, das ist doch selbstverständlich. „Dem Gesetz unterstellt“ meint, er war Jude, aber was denn sonst? Das ist historisch gesichert. Bedeutender ist, dass „Gott seinen Sohn sandte“. Da fragt man sich, wie geht das? Wie kann man das erzählen? Das war für alle biblischen Schriftsteller nicht einfach, mal eben zu erzählen wie Gott in diese Welt kam. Da geht es ja um die Geburt in Betlehem im Stall, um Maria und Josef, die Hirten, um Ochs und Esel und die Drei Könige aus dem Morgenland. Die Evangelisten erzählen ausführlich davon und sie greifen auf alttestamentliche Geschichten und Bilder zurück.

Die Evangelisten Matthäus und Lukas berufen sich auf lange biblische Stammbäume. Sie wollen sagen, dass Jesus nicht einfach vom Himmel fiel, sondern in der langen Liste der Ahnen mit der Geschichte des Volkes Israel verbunden ist.

 

Denn Jesus stammte aus dem Geschlechte Davids. Über den König David werden auch die Namen der Städte Betlehem und Nazareth verbunden. Lukas erzählt von der Volkszählung durch Kaiser Augustus: „So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt, denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids“ (LK 2,4).

Die „Geburt aus der Jungfrau Maria“ hat im Alten Testament schon ein Vorbild gehabt. Wir finden diesen Satz im christlichen Glaubensbekenntnis und auch Lukas und Matthäus berufen sich auf den Propheten Jesaja: „Siehe die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären“ (Jes 7,19).

Die Schreiber des Neuen Testamentes haben also mit Bildern und Geschichten aus dem Alten Testament gelernt über das Wunder der Menschwerdung Gottes zu sprechen. Dies erklärt, warum Paulus zunächst eher wortkarg ist, und dass die Evangelisten dann mit den ausgeschmückten Kindheitsgeschichten, die sie zeitlich etwas später schreiben, das Geheimnis der Geburt Jesu erklären.

Eine frohe und gesegnete Weihnacht wünscht Ihnen Ihr Pfarrer

Pater Hans-Joachim Winkens SAC

 

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