GOTT UND DIE WELT

Veröffentlichung am 11. Juli 2018


Meine Liste der Dankbarkeiten

Pastorin Dr. Christa Usarski
Ev. Luth. Kirchengemeinde Farmsen-Berne
Tel.: 678 69 40
E-Mail: usarski.hamburg@t-online.de

Als junger Mensch erschien mir das Thema Dankbarkeit immer furchtbar langweilig. Immer wurde einem von den Alten eingeredet, wir hätten dankbar zu sein, weil wir es besser hätten als sie. Aber dafür konnten wir schließlich nichts. In der letzten Zeit allerdings denke ich häufiger über dieses Thema nach. Der Auslöser war, dass ich im Urlaub in den Tagebüchern des Schriftstellers Max Frisch gelesen habe. Folgende Passage gefiel mir besonders und ist mir nachgegangen: Max Frisch schreibt: "... Gäbe es eine Instanz, die eine Liste der Dankbarkeiten .... verlangt, so würde ich auf die Liste setzen:

"meine Mutter,

dass ich nicht nach Stalingrad befohlen worden bin,

die Freude an Speisen,

die Späte des Erfolgs,

die wirtschaftliche Unabhängigkeit in späten Jahren,

die Frauen, ja eigentlich alle Frauen,

die Träume, auch die schweren ..."

 

Ich finde es schön, dass der Schriftsteller die Genüsse des Alltags in einem Atemzug erwähnt mit den großen lebensentscheidenden Wenden. Fast scheint es so, als ob er eine Art gelungenen Lebensstil beschreibt.

Und was würde ich wohl auf eine solche Liste setzen? Spontan fällt mir eine Dozentin aus ersten Studientagen ein, die ich nach vielen Jahren kürzlich getroffen habe und die bei mir damals die Lust weckte, zu lernen und mir eigene Standpunkte zu erarbeiten. Das gute Essen mit Freunden muss unbedingt auch mit in die Aufzählung, dann mein Mann, mit dem ich so herrlich streiten und lachen kann, meine Schwester und auch der Glaube, dass es einen Gott gibt, der seine ganz eigenen Gedanken darüber hat, wie mein Lebensweg weiter verläuft.

Und was würde bei Ihnen auf einer solchen Liste stehen? fragt Frau Dr. Usarski

 

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